Die Geschichte der Badekultur in Europa

In der europäischen Antike waren Thermen äußerst angesehen und hatten einen hohen Stellenwert. Nicht nur in Griechenland, sondern auch im antiken Rom gab es öffentliche Thermen, die nebenbei auch eine wichtige soziale Funktion hatten.

Autor: Anija Lombard - Golden Tree Wien

Bereits um 305 v. Chr. gibt es schon nachweislich ein öffentliches Bad in Rom. Da Hygiene eine sehr wichtige Rolle spielte, bürgerten sich öffentliche Bäder sehr schnell ein und es gibt zahlreiche Funde von Thermen im gesamten Römischen Reich verteilt. „Ein typisches römisches Badehaus verfügte über Umkleideräume (apodyterium), einen Schwitzraum (laconicum), ein Warmbad (caldarium), einen mäßig warmen Raum (tepidarium) und ein Kaltbad (frigadarium)."

 

In der damaligen Zeit werden Frauen und Männer in getrennten Bereichen des Badehauses untergebracht - man bedenke, dass Frauen nicht einmal mit unbedecktem Kopf das Haus verlassen, da es als unschicklich gilt. Sich vor fremden Männern zu entblößen ist also undenkbar. Bemerkenswert ist auch, dass es zur damaligen Zeit schon Fußbodenheizungen gibt. Deshalb tragen Besucher einer Therme in warmen Räumen Holzschuhe, um sich die Füße nicht am Boden zu verbrennen.

 

Mit dem Zerfall des Römischen Reiches ist der Niedergang der hygienischen Standards in Europa gesetzt. Für den mehrheitlich christlichen Kontinent ist das freizügige Baden zu unsittlich und wird deshalb verpönt. Erst mit der maurischen Eroberung eines Großteils der iberischen Halbinsel wurde die Badekultur wieder in Europa eingeführt. Einige sehr luxuriöse und kunstreiche Bäder wie die in Alhambra und Granada stammen aus dieser Zeit. Unter Christen wächst jedoch die Abneigung gegen Bäder. Das Nicht-Baden gilt als Tugend und im Rahmen der „Reconquista" werden nicht nur unzählige Muslime und Juden umgebracht und vertrieben, sondern auch die meisten Badeanlagen im heutigen Portugal und Spanien zerstört oder schwer beschädigt.

 

 

 

 

Jedoch ist das Christentum nicht der einzige Grund, weshalb das Waschen weitestgehend missbilligt wird. Viele Menschen sind der Ansicht, dass das durch die Haut in den Körper eindringende Wasser die Körpersäfte aus dem Gleichgewicht bringt und so zu Krankheiten führt. Verstärkt wird dieser Gedanke als im 15. Jahrhundert eine neue Krankheit ausbricht: Syphilis. Den Menschen ist zu der Zeit nicht klar, dass an dieser Krankheit nicht das Wasser schuld ist, sondern ungeschützter Geschlechtsverkehr.

 

Da das Waschen angeblich so viele „Gefahren" mit sich bringt und, wie oben erwähnt, als unsittlich erachtet wird, wird der Sauberkeitsbegriff neu definiert. Im Gegensatz zum Mittelalter wird die Kleidung im 17. Jahrhundert öfter gewechselt. Reichere Menschen können es sich leisten, sich Gesicht und Teile des Körpers mit parfümierten Tüchern abzureiben und die Haare zu pudern. Dies führt zu den typisch weißen Haaren, die man aus Abbildungen aus dieser Zeit kennt. Das gemeine Volk kann sich Parfums oftmals nicht leisten. Deshalb waschen sich wohl viele mit einem feuchten Waschlappen.

 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts traut man fließendem Wasser schon mehr Gutes zu. Mehr Häuser reicher Bürger und Adliger erhalten direkte Wasserzuleitungen, was unter anderem das Baden zu Hause ermöglicht.

Im 19. Jahrhundert setzt sich die allgemeine Erkenntnis durch, dass das Baden Krankheiten vorbeugen kann. Es werden Anstalten eröffnet, in denen man für Bezahlung die Badeeinrichtung benützen kann, da es zu der Zeit noch in den wenigsten Haushalten Badezimmer gibt. Im selben Jahrhundert werden auch erste Vorläufer moderner Kanalisationen gebaut. Von da an geht es wieder bergauf, was die allgemeine Hygiene betrifft.

 

Heutzutage gibt es zahlreiche Spas und Schwimmbäder – wie bei uns in The Golden Tree – in denen man sich gut entspannen und wohlfühlen kann.

 

Autor: Anija Lombard - Golden Tree Wien